GeoTour Baldeneysee

Themenweg und Rallye im Essener Süden

21 km, 35 Stationen

Der Baldeneysee ist sicherlich das beliebteste Naherholungsgebiet in Essen. Auf der einen Seite bietet er Freizeittouristen und Sportlern vielfältige Möglichkeiten, sich zu betätigen, auf der anderen Seite verfügt er über eine spannende erdgeschichtliche und historische Vergangenheit, die rund um den See ihre Spuren hinterlassen hat. Der „Geologische Wanderweg Baldeneysee“ wurde bereits 1981 von Dr. Diethard E. Meyer ins Leben gerufen. Der 2021 um viele Stationen erweiterte Weg kann zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet werden. Dazu gibt es eine Rallye mit Aufgaben, die vor Ort gelöst werden können. Sie richtet sich insbesondere an Gruppen, wie z.B. Familien, höhere Schulklassen, Jugendgruppen oder Betriebsausflügler.

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gefördert durch den Landschaftsverband Rheinland

www.lvr.de

Ausgangspunkt

Adresse:Bungertstraße 1, Essen
UTM-Koordinaten (Zone 32): RW: 360916 HW: 5694806
ÖPNV: S-Bahnhof Essen-Werden (200 m), Bushaltestelle Werden (50 m)

Wanderführer

Der GeoPark Ruhrgebiet die GeoTour Baldeneysee als Broschüre herausgegeben.

GeoTour Baldeneysee
Themenweg und Rallye im Essener Süden

von Katrin Schüppel
GeoPark Ruhrgebiet e.V. (Hrsg.)
Essen 2020
ISBN 978-3-939234-52-4
Preis: 2,00 €
Erhältlich im Online-Shop des Regionalverband Ruhr

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Um den See herum führen eine Wanderstrecke (21 km) und eine Radwanderoute (22 km), die teilweise auf denselben Strecken verlaufen. Die Tour ist in acht Abschnitte unterteilt. Bahnhöfe, Bushaltestellen, Anlegestellen der Weißen Flotte ermöglichen eine individuelle Streckenplanung. Für Wanderer gibt es einen Vorschlag, wie sich alle Stationen über drei landschaftlich reizvolle Einzelwanderungen absolvieren lassen. Für jeden Streckenabschnitt lassen sich die Ergebnisse der Rallye anhand einer Lösungszahl kontrollieren. Für das Lösungsrätsel werden die Ergebnisse aller Streckenabschnitte benötigt.

Geologie und Bergbau am Baldeneysee

Geologische Karte

Geologische Karte

Das Gebiet rund um den Baldeneysee ist von zwei geologischen Zeitaltern geprägt worden, dem Oberkarbon, in dem vor rund 300 Millionen Jahren die Gesteinsschichten des Steinkohlengebirges abgelagert wurden, und dem Quartär, das in das Eiszeitalter (Pleistozän) und die jüngste Vergangenheit (Holozän) unterteilt wird. Das bis zu über einen Kilometer mächtige Deckgebirge aus den Ablagerungen des Kreidemeeres, welches vor rund 100 Millionen Jahren bis in das südliche Ruhrgebiet vordrang, fehlt hier.

Schichtenfolge des Steinkohlengebirges mit Kohleflözen und Sandsteinen, die im südlichen Ruhrgebiet an der Erdoberfläche aufgeschlossen sind.

Abbildung

Die Steinkohlezeit (Oberkarbon)

Die Steinkohlezeit (Oberkarbon)

Als sich die steinkohleführenden Schichten in der Umgebung des Baldeneysees bildeten, lag das heutige Ruhrgebiet an einer tropischen Küste in der Nähe des Äquators und war von dichten, sumpfigen Wäldern aus Schachtelhalm- und Bärlappgewächsen bedeckt. Das vorgelagerte Meeresbecken senkte sich beständig ab und bot Raum für die heute 3-4 km mächtigen Ablagerungen. Flüsse schütteten Deltas aus Sand auf, die im Laufe der Jahrmillionen zu Sandstein verfestigt wurden. In tieferen und ruhigeren Gewässern lagerte sich feinkörniger Ton, heute Tonstein, ab.

Die bewaldeten Küstengebiete wurden immer wieder überflutet und es entstanden mächtige Torfvorkommen, die bei hohen Gebirgstemperaturen im Laufe der Jahrmillionen zu Steinkohleflözen umgewandelt wurden. In den Sand- und Tonsteinen sind häufig Pflanzenfossilien, seltener auch marine Fossilien, wie Muschelabdrücke, Wurmspuren oder Fischschuppen zu finden.

Fossilien des Steinkohlengebirges

Nach der Ablagerung der Gesteinsschichten wurde das Steinkohlengebirge gefaltet. Die großen Faltenstrukturen verlaufen von Südwesten nach Nordosten durch das gesamte Ruhrgebiet. Daneben gibt es Stellen, an denen die Schichten abgerissen und gegeneinander versetzt sind, sogenannte Störungen. Die größte Störung des Ruhrgebiets ist die Sutan-Überschiebung, die am Baldeneysee aufgeschlossen ist.

Mehr zu Erdgeschichte im Oberkarbon

Das Eiszeitalter (Pleistozän)

Das Eiszeitalter (Pleistozän)

In den kalten Perioden des Eiszeitalters war das Ruhrgebiet überwiegend eine eisfreie und nur spärlich bewachsene Tundrenlandschaft. Die weit verzweigte Ruhr schüttete mächtige Schotterflächen auf, wie man sie heute aus Polarregionen oder dem Hochgebirge kennt. Reste dieser Schotterterrassen sind auf den Ruhrhöhen am Baldeneysee zu finden. Nur während der vorletzten Kaltzeit, der Saale-Kaltzeit, drang das nordische Inlandeis bei Essen bis über die Ruhr hinweg vor, wovon unter anderem Findlinge aus Skandinavien zeugen.

 

Der Bergbau am Baldeneysee

Der Bergbau am Baldeneysee

Weil die Steinkohle am Baldeneysee direkt an der Erdoberfläche liegt, wurde hier bereits vor über 500 Jahren Bergbau betrieben. Der Kohleabbau ist 1470 bezüglich des Hespertals erstmals urkundlich erwähnt worden. Das älteste Steinkohlebergwerk von Essen, die Zeche Barenscheid, wurde 1566 gegründet und lag unweit des Baldeneysees im Kruppwald. Seit der Schiffbarmachung im Jahr 1780, diente die Ruhr dem Kohletransport, bis ein Jahrhundert später die Eisenbahn diese Aufgabe übernahm. Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte der Übergang vom Stollenbergbau, der in zahlreichen Kleinzechen rund um den heutigen Baldeneysee betrieben wurde, zum Tiefbau.

Die großen Tiefbauzechen am Baldeneysee waren die Zeche Carl Funke am Nordufer und die Zeche Pörtingsiepen am Südufer, die 1967 zu einem Verbundbergwerk zusammengelegt wurden. Im Jahr 1973 endete der Bergbau am Baldeneysee. In den Jahren 1931-1933 wurde bei Werden ein Stauwehr errichtet und die Ruhr wurde zum Baldeneysee aufgestaut. Der See dient, wie auch die fünf anderen zwischen 1929 und 1950 geschaffenen Ruhrseen, in erster Linie der Verbesserung der Wasserqualität. Am Stauwehr wird darüber hinaus Elektrizität erzeugt. Heute ist er auch als Erholungsgebiet und Sportstätte für den Segel-, Ruder- und Kanusport von Bedeutung.

Weiße Flotte

Wenige Monate nach Fertigstellung des Baldeneysees nahm die Weiße Flotte den Betrieb auf. Damals dienten noch drei von sechs Fährschiffen dazu, die Bergarbeiter zu den umliegenden Zechen zu bringen. Heute verkehren die Ausflugsschiffe in der Sommersaison stündlich und bedienen sechs Anleger rund um den Baldeneysee. Seit 2017 ist auch die MS Innogy im Einsatz. Das Schiff fährt CO2-neutral und geräuscharm und nutzt Methanol, welches mit Strom aus dem Wasserkraftwerk am Stauwehr aus CO2 und Wasser erzeugt wird.

Infos zur weißen Flotte

Literatur

Literatur

Meyer, Diethard E. (1981): Der geologische Wanderweg am Baldeneysee im Ruhrtal bei Essen. Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft Essen, Heft 10, S. 7-21, Essen.

GeoPark Themen 6

Steinkohle im GeoPark Ruhrgebiet
GeoPark Ruhrgebiet e.V. (2011)
Autor: G. Drozdzewski

Felswand mit langgestreckter Gesteinsfalte.

Pastoratsberg

Aufschluss mit einer großen Vielfalt an Faltenstrukturen und anderen tektonischen Besonderheiten.

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Rundliches Loch in Sandsteinwand

Profil Löwental

Geologisches Profil aus dem Oberkarbon mit Flözen, Falten, Konkretionen, Wellenrippeln und Bergbaurelikten.

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Freiherr-vom-Stein-Aussichtspunkt

Aussichtspunkt mit Einblick in Gesteine aus der Steinkohlezeit und der Eiszeit.

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Sutan-Aufschluss

Hier ist die einzige Stelle, an der die durch das Ruhrgebiet verlaufende, 120 km lange Sutan-Überschiebung aufgeschlossen ist.

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Geologische Wand Kampmannbrücke

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Aufschlüsse an der Hespertalbahn

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Logo und Leute vor Felswand mit Logo

GeoRoute Ruhr

Streckenwanderung entlang des Ruhrtals über insgesamt 180 Kilometer Länge mit 148 geologischen und touristischen Geostopps. Die Route wird vom GeoPark Ruhrgebiet betreut.

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