LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall

mit GeoPark-Infozentrum, Besucherbergwerk und Sandsteinbruch

Auf dem Museumsgelände, das in den vergangenen 300 Jahren als Stollenzeche. Tiefbauzeche und Ziegelei genutzt wurde, werden die Entwicklung des Steinkohlebergbaus und die Frühzeit der Industrialisierung thematisiert. Zu den Ausstellungsobjekten gehören eine Dampffördermaschine aus dem 19. Jahrhundert, der restaurierte Ruhrnachen „Ludwig Henz“ und eine rekonstruierte Kleinzeche der 1950er Jahre. Eine besondere Attraktion ist das Besucherbergwerk, in dem die Arbeitsbedingungen in einer Stollenzeche nachempfunden werden können. Aufschlüsse zeugen vom Abbau der beiden anderen Rohstoffe des Steinkohlengebirges: Sandstein und Tonstein. Das Museum beherbergt darüber hinaus das GeoPark-Infozentrum Witten.

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall

Historische Dampfmaschine mit zwei Zylindern
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Luftbild mit historischen Gebäuden und hohem Kamin
LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall © LWL (Sebastian Cinto Photography)

Anfang des 20. Jahrhundert wurden von der Ziegelei Stollen angelegt, die dem Transport des Tonsteins und in Zeiten des Kohlenmangels auch dem Abbau von Restkohle dienten. Sie wurden in den 1990er Jahren bergmännisch ausgebaut und sind heute Teil des Schaubergwerks in dem Besucher den historischen Abbaubetrieb unter Tage erleben können. Dazu gehören auch ein Abbaustreb und ein Streckenvortrieb in Flöz Mentor (Geitling 3), welches aufgrund seiner geringen Mächtigkeit von 30 cm im Gegensatz zu anderen Flözen hier nicht abgebaut wurde. Das Bergwerk kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden, die mehrmals täglich vom LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall angeboten werden.

Besucher an Tisch mit geologischer Karte
Im GeoPark-Infozentrum in Witten © LWL (Jürgen A. Appelhans)

Das GeoPark-Infozentrum in Witten ist im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall beheimatet. Neben der Entstehung und dem Vorkommen von Steinkohle, die sicherlich einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden, wird hier die Rohstoffvielfalt und Erdgeschichte im gesamten GeoPark Ruhrgebiet thematisiert. Es erwarten Sie zahlreiche originale Geo-Objekte, Modelle, multimediale Präsentationen, Bücher, Karten sowie viele Anregungen für Entdeckertouren durch den GeoPark. Es bietet sich an, den Besuch des Infozentrums mit einem Museumsbesuch, einer Führung im Besucherbergwerk oder einem Spaziergang auf dem Bergbauwanderweg im benachbarten Muttental zu verbinden.

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall und GeoPark Infozentrum:
Nachtigallstraße 35 (Parkplätze: Nachtigallstraße 24), 58452 Witten
ÖPNV: Witten Hauptbahnhof (1,5 km)
Informationen zu Eintrittspreisen, Öffnungszeiten und Führungen bitte der Webseite des LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigallentnehmen.

Führungen / Pädagogische Angebote

Im Besucherbergwerk Nachtigall finden mehrmals täglich Führungen statt. Es werden auch Führungen durch das Bergwerk und die Ausstellung, Natur- und Familienführungen, eine geologische Führung mit Besuch des Steinbruchs, Unter- und Übertage-Erlebnisse für Schulen und Kitas sowie Kindergeburtstage angeboten. 

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Der GeoPark Ruhrgebiet hat auf dem Museumsgelände einen traditionellen Geocache (Opencaching) mit einer Aufgabe versteckt.

Erdteufelcache

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GeoPark Ruhrgebiet

Sandsteinbruch auf dem Museumsgelände: Ruhrsandstein

Im Ziegeleibetrieb Dünkelberg wurde neben Tonstein für die Ziegelherstellung auch Sandstein zu Bauzwecken abgebaut. Dazu wurde dieser Steinbruch angelegt. Ruhrsandstein ist ein besonders festes und verwitterungsbeständiges Gestein, das im Gegensatz zu den meisten anderen Sandsteinen sogar poliert werden kann. Seine Verwendung ist bereits im römischen Xanten nachgewiesen.

Der neuzeitliche Abbau erfolgte ab dem 13. Jahrhundert. Ruhrsandstein wurde in hunderten kleinen Steinbrüchen im Ruhrgebiet gewonnen und ist in zahlreichen historischen Gebäuden verbaut. Derzeit existieren nur noch sehr wenige Betriebe, deren Erzeugnisse beispielsweise im Bauwesen und im Landschaftsbau genutzt werden.

Gesamtansicht des Steinbruchs
Steinbruch Nachtigall © GeoPark Ruhrgebiet

Sandsteinbruch auf dem Museumsgelände: Moore am Finefrau-Strom

Der hier anstehende Finefrau-Sandstein gehört zur Witten-Formation des Steinkohlengebirges. Er bildete sich im Oberkarbon, vor 316 Millionen Jahren, im Wechsel mit zwei weiteren wichtigen Rohstoffen: der Steinkohle und dem Tonstein. Damals lag hier der gewaltige Finefrau-Strom. Er verlief parallel zum heutigen Ruhrtal, floss in Richtung Niederrhein und wurde über ca. 100 Kilometer im südlichen Ruhrgebiet nachgewiesen. Seine Erosionsrinne war hier in der Wittener Senke ca. 7 km breit und stellenweise über 20 Meter tief. Der Fluss durchfloss eine Moorlandschaft, aus deren Sumpfwäldern später das Flöz Mentor (Geitling 3) entstand. Es ist u. a. im Steinbruch Dünkelberg im Süden des Hettbergs aufgeschlossen.

In dem Flussbett lagerte sich das Abtragungsmaterial eines südlich liegenden Gebirges als mächtige Sandschicht ab, die sich im Laufe der Jahrmillionen zu Sandstein verfestigte. Darüber wuchsen Wälder, aus denen sich zunächst eine Torfschicht und anschließend das Flöz Finefrau bildeten, das am oberen Rand des Steinbruchs erkennbar ist. Das Flöz ist auch im Keller des Werkstattgebäudes auf dem Museumsgelände aufgeschlossen. Zwischen dem Sandstein und der Kohle liegen feinkörnige Tonsteinschichten. Es handelt sich um den Boden, in dem die Bäume einst wurzelten.

Sandstein mit zwei dunklen Streifen
Flöz Finefrau und fossiler Baumstamm im Keller des Werkstattgebäudes im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall © Peter Rohde

Sandsteinbruch auf dem Museumsgelände: Schichtung

Weil die Schichten des Steinkohlengebirges unter dem Druck der driftenden Kontinente gefaltet wurden, sind sie gekippt und fallen nach Nordwesten ein. Innerhalb dieser Schichtung weist der Sandstein stellenweise eine Schrägschichtung auf. Sie entsteht bei Ablagerung des von der Strömung transportierten Sandes im Lee eines Hindernisses, z. B. einer Bodenwelle. Wenn sich die Strömung verlagert und bereits geschaffene Erosionsrinnen wieder aufgefüllt werden, bilden sich Gesteinspakete mit unterschiedlichen Einfallswinkeln, wie es im rechten Teil des Steinbruchs erkennbar ist.

Foto mit Beschriftung der Gesteinsarten und Schichtungsverläufe
Schichten und Schichtung im Steinbruch Nachtigall © GeoPark Ruhrgebiet
Foto mit eingezeichneter Erosionsrinne
Verfüllte Erosionsrinne im rechten Steinbruchteil
Logo und Leute vor Felswand mit Logo

GeoRoute Ruhr

Streckenwanderung entlang des Ruhrtals über insgesamt 180 Kilometer Länge mit 148 geologischen und touristischen Geostopps.

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Nationales Geotop Muttental

Das als Nationales Geotop ausgezeichnete historische Bergbaugebiet Muttental umfasst einen Bergbauwanderweg, mehrere Aufschlüsse, Museen und Ausstellungen, ein Besucherbergwerk und das GeoPark Infozentrum Witten.

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Steinbruch Dünkelberg

In dem ehemaligen Ziegeleisteinbruch im Nationalen Geotop Muttental ist ein schmales Flöz aufgeschlossen.

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