GeoRoute Lippe

Geostopp 68-79 (Hauptroute)

Haltern/Dorsten

68/69 Westruper Heide

68/69 Westruper Heide

Die Westruper Heide ist eine vom Menschen gemachte Landschaft. Sie entstand auf einem nacheiszeitlichen Dünengebiet durch Abholzung ursprünglicher Wälder seit dem Mittelalter. Die wellige Oberfläche mit vereinzelt höheren Kuppen lässt die alte Dünenlandschaft noch erahnen. Ein besonders hohe und lange fossile Düne, der Niemenwall, ist am Nordrand der Heide erhalten. Die Kulturlandschaft Heide war früher weit verbreitet. Die Westruper Heide ist mit 89 ha das flächenmäßig größte Restgebiet in Westfalen. Die gerodeten Heidegebiete wurden regelmäßig gemäht, mit Schafen beweidet und im Abstand von mehreren Jahren „abgeplaggt“. Das Heidekraut wurde dabei mit einer besonderen Hacke abgeschält und als Einstreu in Viehställe ausgebracht. Beweidung und Abplaggung verhinderten, dass sich die ursprüngliche Waldgesellschaft wieder ansiedeln konnte. Der ohnehin schon nährstoffarme Boden wurde noch ärmer; die Entstehung von Podsolböden[1] wurde verstärkt. Nur anspruchslose Pionierpflanzen wie Wacholder, Silbergras, Ginster und Sandsegge fanden neben dem Heidekraut geeignete Bedingungen. Im größeren östlichen Teil der Heide wächst großflächig zwischen Flecken mit Sandtrockenrasen das im August blühende Heidekraut (Besenheide), im westlichen Bereich ist zum Teil baumhoher Wacholder die dominierende Pflanze. Kiefern wachsen verstreut auf der gesamten Flächen, Birken und Eichen eher in den lichten Bereichen. An den Rändern der Sandwege liegen an verschiedenen Stellen Findlinge. Sie werden überwiegend in der Gegend gefunden worden sein. Der große Granitfindling (69) in der östlichen Wacholderheide, seit 2003 Denkmal für den „Heimatdichter“ Hermann Löns, wurde dagegen aus Litauen angeliefert.

 

Die Westruper Heide steht unter Naturschutz, 63 ha davon erstmals 1936. Zu ihrem Erhalt werden weiterhin entsprechende Pflegemaßnahmen unternommen, wie etwa der Einsatz von Heidschnucken und Ziegen sowie Abbrennen und maschinelles Abplaggen kleiner Areale.

[1]siehe „Bodenbildung Podsol“  (50) 

Die Westruper Heide kann auf Wanderwegen durchquert werden Radfahren ist untersagt.

Internetseite der Westruper Heide (Infos und Führungen)

Naturpark Hohe Mark

Naturparkführer Hohe Mark e.V. (Führungen)

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Westruper Heide (Heath)

70 Wasserwerk Haltern und Stevertalsperre

70 Wasserwerk Haltern und Stevertalsperre

Das 1908 in Betrieb genommene Wasserwerk Haltern ist eines der Größten Europas. Betreiber ist die Gelsenwasser AG. Es versorgt zurzeit ganz oder teilweise die Bevölkerung, das Gewerbe und die Industrie in 24 Kommunen des Ruhrgebiets und des Münsterlandes mit Trinkwasser. In den Anfangsjahren wurde nur das natürlich vorhandene Grundwasser gefördert, was schon bald aufgrund des steigenden Bedarfs im nördlichen Ruhrgebiet nicht mehr ausreichte. 1914 wurde daher begonnen das Grundwasser aktiv durch Sandmassen gefiltert mit Oberflächenwasser, zunächst nur aus der Stever, anzureichern. Dieses Verfahren wird bis heute genutzt. Hierzu wird aus dem Nordbecken der Stevertalsperre Haltern, so der offizielle Name, Seewasser über Düker in das kleinere Südbecken gepumpt. Am Einlauf des Südbeckens wird es bei Bedarf mit Aktivkohle und Flockungsmittel behandelt. Vom Südbecken gelangt es in 26 lang gestreckte Filterbecken, aus denen das Wasser in den sandigen Untergrund sickert und dabei immer sauberer wird (Langsamsandfilter).

Dieser Vorgang dauert etwa 6 Wochen. In entlang der Becken angeordneten Vertikalfilterbrunnen wird es schließlich zusammen mit dem natürlich zufließenden Grundwasser wieder an die Oberfläche gefördert. Einige dieser Brunnen liegen nahe der großen Sanddeponie zwischen Westruper Heide und südlichem See. Seit den Anfangsjahren wird auf dieser Fläche aus den Halterner Seen ausgebaggerter und über eine Druckrohrleitung hierher beförderter Sand gelagert. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er wieder abgebaut und an die Bauindustrie als begehrter Bau- und Zuschlagsstoff verkauft.

Neben den Brunnen aus dem Werksgelände Haltern betreibt die Gelsenwasser AG in der Hohen Mark und in der Haard zwei Brunnengalerien. Insgesamt kommen so 232 Vertikalfilterbrunnen zusammen, die 40 bis 165 m tief sind. Die Talsperre Haltern entstand ab 1927, um die jahreszeitlich stark schwankenden Wassermengen der Zuflüsse besser regulieren zu können. Zuflüsse waren und sind die Stever und der Heu- bzw. Mühlenbach. Über Jahrzehnte vergrößerte man das Fassungsvermögen der Talsperre durch Ausbaggerung. 1971 erreichte er seine heutige Fläche von 307 ha. Zu diesem Zeitpunkt war er bis zu 7 m tief. Heute sind stellenweise 15 m erreicht. 1972 kam die östlich gelegene Talsperre Hullern hinzu, deren 150 ha großer See bis zu 8 m tief ist. Im Bedarfsfall kann zusätzlich Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanals in die Talsperren geleitet werden.

Informationen der Stadt Haltern zum Halterner Stausee

Gelsenwasser (Führungen für Schüler- und Erwachsenengruppen)

Naturparkführer Hohe Mark e.V. (Führungen)

71 Annaberg

71 Annaberg

Am Nordrand des Lippetals erhebt sich als südöstlichster Ausläufer der Hohen Mark die Kuppe des Annaberges über die Umgebung. Der Annaberg ist ein wichtiger Wallfahrtsort mit interessanter Historie und einigen sehenswerten Kunstwerken. Wie die Hügel in der Haard ist auch der Annaberg ein Härtling, der durch Bildung von Sandstein in der Haltern-Formation („Halterner Sande“) herauspräpariert wurde. Südlich des An- naberges durchbricht die Lippe das Gebiet der Halterner Berge (Hohen Mark, Haard, Borkenberge) und erreicht ihren Unterlauf. Schon die Römer haben die strategisch günstige Erhebung nahe des Flusses genutzt, um darauf ein „Kastell“ zu errichten (das bekannte Legionslager lag rund 1 km weiter nordöstlich). Am Nordrand (heute Sportplatz) und vermutlich auch am Ostrand des Annabergs lagen Steinbrüche, deren Abbaukanten noch gut auszumachen sind. Ein Steinbruch am Annaberg ist spätestens seit 1819 in Betrieb. In der Gipfelregion selbst zeugt die unruhige Morphologie ebenfalls vom regen Abbau des Sandsteins. Einige Mulden und kleine Halden sind noch deutlich zu erkennen, andere wurden den damaligen Auflagen entsprechend mehr oder weniger eingeebnet. Im 19. Jahrhundert benötigte man große Mengen des festen Gesteins als Packlage unter anderem für den Bau der „Chausseen“ von Haltern nach Wesel und nach Münster. Ein 200 m langer Geländeeinschnitt am Nordhang des Annabergs hat seinen Ursprung in einem Hohlweg, über den die gebrochenen Steine vom Plateau an den Hangfuß in Richtung Berghaltern abtransportiert wurden. Eine ähnlichen Einschnitt findet man auch am Südabhang des Stimberg-Plateaus in der Haard, wo ebenfalls Gestein abgebaut wurde[1]. Andere Geländeformen auf dem Annaberg werden mit Schanzarbeiten im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und, kaum gesichert, in der Römerzeit erklärt. Vieles wurde durch den späteren Abbau überprägt und zerstört. Am nördlichen Hangfuß bei Berghaltern befand sich eine große Sandgrube. Entlang des 1967 eingeweihten Kreuzweges auf dem Annaberg wurden rund um die Stationen eine Reihe lokaler Gesteine platziert, darunter Sandsteine und Eisenschwartensteine[2], aber auch Findlinge aus Skandinavien. Direkt am Beginn des Weges steht eine etwa 1,5 m Sandsteinplatte mit einer Schichtfläche, die durch die Aktivität von bodenbewohnenden Lebewesen, hier Krebsen, zerwühlt wurde. Diesen Vorgang nennt man Bioturbation.

An den Stationen weiter oberhalb sieht man quarzitische Sandsteine mit Herzmuschel-Abdrücken und Wurmbauten sowie einen vermutlich durch Wind geschliffenen Sandsteinblock. Geologisch interessant ist auch die künstliche „Lourdes-Grotte“, die aus am Annaberg häufigen stark zementierten „Halterner Knauern“[1] errichtet wurde. Die Sockelsteine des Altars vor der Grotte stellen eine andere Variante des Sandsteins dar. Dieser ist oft weniger verfestigt und zeigt größere rundliche Formen, wie man sie auch vom Stimberg[1] oder aus Selm-Netteberge[3] kennt. Einen Sockelstein ziert der große Abdruck einer Muschel (Inoceramus). Teile der Pflasterung des alten Prozessionsweges sind ebenfalls erhalten. Eisenschwartensteine und nordische Geschiebe sind hier zum Teil verarbeitet worden. An der südlichen Auffahrt zum Annaberg wurde am Beginn des Kreuzweges ein Brunnen, der „Annapütt“, aufgemauert. Als Mauersteine verwendete man die lokalen Eisenschwarten- und Sandsteine, letztere mit zahlreichen Fossilabdrücken, insbesondere von ungleichschaligen Austern. Die ebenfalls in einen Brunnen eingefasste „wundertätige“ Quelle liegt etwas oberhalb des Annapütts an einem Parkplatz. In der Hohen Mark wurde nicht nur auf dem Annaberg Sandstein und Sand abgebaut. Westlich der heutigen Autobahn 43 von Bergbossendorf bis in die Lünzumer Mark (nördlich Tannenberg) sowie rund um den Galgenberg weisen Geländeformen und alte Karten auf einige frühere  Gruben und Steinbrüche hin.

[1]siehe „Stimberg“ (54-56) [2]siehe „Baggersee Flaesheim“ (62-65) [3]siehe „Netteberger Sandgruben“ (34-36)

Information der Kirchengemeinde

Naturparkführer Hohe Mark e.V. (Führungen)

72 St. Katharinen Kapelle

72 St. Katharinen Kapelle

Die Katharinen- oder auch Ludgerus-Kapelle in Hamm-Bossendorf gilt als ältester Steinbau im Vest Recklinghausen und ist möglicherweise die älteste Steinkirche des Bistums Münster. Der Bau des Chores wird im 11. oder 12. Jahrhundert vermutet, das Schiff ist späteren Datums. Dominierender Baustein ist quarzitischer Sandstein der Haltern-Formation, mutmaßlich aus der nahen Haard.

Informationen der Kirchengemeinde

73 Kirche Heilig Kreuz

73 Kirche Heilig Kreuz

Der Westturm der Kirche Heilig Kreuz in Hamm-Bossendorf stammt aus dem 12. Jahrhundert, das Langhaus wurde um 1350 erbaut. Der Baustein, quarzitischer Sandstein der Haltern-Formation, soll aus heute nicht mehr auszumachenden Steinbrüchen am Nordrand des Hammer Bergs in der Haard 1,3 km südöstlich der Kirche stammen.

Informationen der Kirchengemeinde

 

74 Zeche Auguste-Victoria Schacht 8

74 Zeche Auguste-Victoria Schacht 8

Das von der GeoRoute aus zu sehende Schachtgerüst steht über Schacht 8 der Zeche Auguste Victoria in Haltern-Lippramsdorf. Er wurde 1963 abgeteuft. Die Zeche Auguste-Victoria wurde im November 2015 geschlossen und war damit das zweitletzte aktive Steinkohlen-Bergwerk im Ruhrgebiet. Das letzte Bergwerk war Prosper-Haniel in Bottrop, dessen Betrieb 2018 eingestellt wurde.

75 Findling Lippramsdorf

75 Findling Lippramsdorf

An der Lembecker Straße in Lippramsdorf steht ein großer quarzitischer Sandsteinfindling. Eine Infotafel weist unter anderem darauf hin, das es sich um ein eingetragenes Naturdenkmal handelt.

76 Wasserwerk Kusenhorst

76 Wasserwerk Kusenhorst

Spurlos verschwunden, aber geschichtlich interessant ist das ehemalige Betriebswasserwerk Kusenhorst unmittelbar an der GeoRoute. Es wurde für die nördlich gelegene ehemalige Zeche Wulfen (1958-2000) ab 1957 gebaut und ein Jahr später in Betrieb genommen. Vier Brunnen im Wald nördlich des Werkes lieferten das Grundwasser. Zunächst benötigte man es für das Gefrierverfahren zur Gewährleistung der Standfestigkeit des Gebirges beim Abteufen der beiden Schächte, später als Brauchwasser für den Zechenbetrieb. Eine 2,3 km lange Wasserrohrleitung verband das Werk mit der Zeche. Die Gebäude des Wasserwerkes wurden 2010 abgebrochen.

77 Hervester Bruch

77 Hervester Bruch

Der Hervester Bruch war früher ein Niedermoor mit dauernassen Böden. Später wurde das Gebiet entwässert und lange Zeit für die Landwirtschaft genutzt. Bergsenkungen haben dafür gesorgt, dass es sich wieder in ein Feuchtgebiet zurückverwandelt hat. Der Hervester Bruch ist heute der südliche Teil des 2005 ausgewiesenen Naturschutzgebietes „Bachsystem des Wiebaches“. Teilweise künstlich angelegte flache Stillgewässer, Röhrichte und Feuchtwiesen prägen das Landschaftsbild. Entlang einer 5 km langen Rad- und Wanderroute durch den Hervester Bruch geben fünf Infotafeln und mehrere Aussichtsplattformen Einblicke in die Landschaftsgeschichte und die Lebensweise der ansässigen Tiere und Pflanzen.

78 Gälkenheide

78 Gälkenheide

In der Gälkenheide liegt an der GeoRoute ein See, der erst nach 2000 als Folge von Bergsenkungen entstanden ist. Der ältere Bahndamm der Linie Essen-Borken teilt den See in zwei Teile. Von den Senkungen betroffen ist das ganze Marienviertel im Osten von Dorsten.

79 Blauer See Dorsten

79 Blauer See Dorsten

Das Betriebs- oder Seewasserwerk Dorsten verfügt über einen künstlich angelegten See von bis zu 8 m Tiefe und einem Speichervolumen von rund 280.000 m3, den sogenannten „Blauen See“. Das Wasserwerk versorgt seit 1955 industrielle Großabnehmer wie das Kraftwerk Scholven. Erster Großabnehmer und wesentlicher Grund für die Anlage des Sees war die frühere Zeche Fürst Leopold, die große Wassermengen für ihre Dampffördermaschinen und für die Kohlewäsche benötigte. Entstanden ist der See durch Sandabbau der Westfälischen Sand- und Tonwerke Dr. Müller & Co., heute Euroquarz, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Sand wurde im Nassabbau mittels Schwimmschaufelbagger gewonnen, da die Grube mit Grundwasser vollgelaufen war. 1955 erwarb die Rheinisch-Westfälischen Wasserwerke den ehemaligen Abbaubetrieb, der bis dahin als Schwimmbad diente. Die mit Grundwasser gefüllte Sandgrube sollte fortan als Reservoir für Brauchwasser dienen und so das Trinkwasserwerk in Dorsten-Holsterhausen entlasten.

Der See wird heute über drei Wege aktiv mit Wasser gespeist: Der größte Teil des Wassers wird vor einem Stauwehr dem Hammbach entnommen und über eine Freispiegelleitung an der Nordseite eingeleitet. Bei erhöhtem Bedarf wird an der Südseite dem See weiteres Hammbach-/Wienbachwasser mittels Pumpen zugeführt. Außerdem wird Grundwasser aus dem von Bergsenkungen betroffenen, östlich des Sees gelegenen Marienviertel in den See gepumpt. Der Wasserspiegel des Sees kann um 1,5 m schwanken, wenn Wasser über die beiden Ansaugeinrichtungen auf der Ostseite des Sees entnommen wird.

Texte: Abels, A. (2017): GeoRoute Lippe: Von Eisensteinen, Dünenfeldern und Mäandern der Lippe – durch den Norden des GeoPark Ruhrgebiet, Regionalverband Ruhr und GeoPark Ruhrgebiet e.V. (Hrsg.), Essen.