Schwelmer Tunnel

Am Nordeinschnitt des stillgelegten Schwelmer Eisenbahntunnels stehen Massenkalke aus dem Mitteldevon an. Neben Karsterscheinungen und Fossilien ist die kühle schattige Schlucht auch in biologischer Hinsicht von Interesse, denn sie wird von geschützen Pflanzen- und Tierarten besiedelt. Der Tunnel wurde vom Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. übernommen und hergerichtet. Am Tunneleinschnitt stehen sechs Infotafeln.

Arbeitskreis Kluterthöhle e.V.

 

Weitere Informationen

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Schwelmer Tunnel Nordportal
(vom 01.10.-31.03. aus Gründen des Fledermausschutzes gesperrt)

Presse

Westfalenpost 13.05.2019

Bild 29.07.2019

 

Standort

Adresse: Gevelsberger Straße 99, Schwelm (200 m)
UTM-Koordinaten (Zone 32): RW: 381433 HW: 5685728
ÖPNV: Bushaltestelle Linderhausen (800 m), Bahnhof Gevelsberg West (1km)

Zu diesem Geotop

Übersicht (Tafel 1)

Übersicht (Tafel 1)

Der Schwelmer Tunnel verläuft auf einer Länge von 742 Metern schnurgerade durch den Linderhauser Rücken. Er wurde 1897 erbaut und war Teil der Rheinischen Bahn von Düsseldorf nach Dortmund. Seit dem Jahr 1986 ist der Tunnel stillgelegt. In 50 Meter Entfernung befindet sich der parallel verlaufende Linderhauser Tunnel, der auch heute noch für den Bahnbetrieb genutzt wird. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs wurden beide Tunnel als bombensichere Produktionsstätte für die Rüstungsindustrie verwendet. Das beeindruckende Portal des Schwelmer Tunnels ist aus Sandsteinblöcken gefertigt. Das Gelände wurde vom gemeinnützigen Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. für den Geotop- und Naturschutz erworben. Es ist in geologischer und biologischer Hinsicht interessant. Durch seinen Nord-Süd-Verlauf schneidet der Tunnel geologische Schichten unterschiedlichen Alters an, die hier in südwest-nordöstlicher Richtung verlaufen. Die Schlucht des Bahneinschnitts ist von einigen geschützten Pflanzenarten besiedelt, darunter Hirschzunge, Aronstab, Lerchensporn und Salomonssiegel.

Hier, im Nordeinschnitt des Tunnels, tritt der etwa 380 Millionen Jahre alte Massenkalk zutage, ein ehemaliges Barriereriff  im tropischen Ozean der Mitteldevon-Zeit. Durch den nördlichen Tunnelbereich verläuft die Ennepestörung, eine bedeutende geologische Verwerfung, die sich durch die gesamte Region zieht. An ihr sind die älteren Brandenberg-Schichten aus Schiefer und Sandstein auf den Massenkalk aufgeschoben. Nach Süden hin schließen sich die jüngeren Honsel-Schichten an. Neben Grauwacken und Schiefern beinhalten sie einzelne Kalksteinbänke, kleine Riffe, die nach kurzer Zeit wieder verschüttet wurden. Weiter in Richtung Süden schließt sich erneut der über den Honsel-Schichten liegende Massenkalk an.

Der hier anstehende Kalkstein ist durch Verkarstung geprägt, was bedeutet, dass kohlensäurehaltiges Wasser das Gestein stellenweise aufgelöst hat. In der Umgebung sind acht bis zu 40 m lange Höhlen nachgewiesen: am nördlichen Einschnitt das Schwelmer Schächtchen; im Tunnel das Schwelmer Schlammbad und die Schwelmer Tunnelhöhle; am südlichen Einschnitt die Fuchs-, Nikolaus-, Brennnessel-, Röhren-, und Osterbachhöhle. Weil sie durch den Tunnelbau angeschnitten und entwässert wurden, versiegten damals einige Hofbrunnen in der Umgebung. Die im Tunnel gelegene Schwelmer Tunnelhöhle ist die Quelle des kühlen Bachlaufs, der hier verläuft.

Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium) (Tafel 2)

Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium) (Tafel 2)

An dieser Stelle liegt das größte Vorkommen an Hirschzungenfarn der Region. Die Art ist an den ungefiederten Blättern zu erkennen und gut von anderen Farnen zu unterscheiden. Auch als Gartenpflanze ist der Hirschzungenfarn beliebt. Bei einigen der kultivierten Zierformen sind die Blattränder stark gekräuselt. Die Art gehört zu den Streifenfarngewächsen, wurde jedoch früher unter dem Namen Phyllitis scolopendrium auch den Tüpfelfarngewächsen zugeordnet. Der Farn zeigt einen kalkreichen Untergrund an. Er wächst typischerweise an den feuchten und schattigen Steilhängen von Schluchtwäldern aus Esche, Ahorn und Linde.

Im späten Frühjahr treiben zwischen den Wedeln frische hellgrüne Blätter aus, die im Laufe des Sommers nachdunkeln. Zwischen Juli und September reifen die Sporen. Die sporentragenden Sori an der Unterseite der Blätter sind streifenförmig angeordnet. Das Verbreitungsgebiet des Hirschzungenfarns umfasst die gemäßigten Breiten der nördlichen Hemisphäre. In vielen Regionen Deutschlands kommt die Art nicht oder nur sehr vereinzelt vor. Die Schwerpunkte der Verbreitung liegen im Rheinischen Schiefergebirge, der Schwäbischen Alb und dem Alpenvorland. Die Pflanze ist auf der Roten Liste der gefährdeten Arten aufgeführt und steht unter Naturschutz.

Kegelkarst (Tafel 3)

Kegelkarst (Tafel 3)

In der Felsböschung hier ist gut zu erkennen, wie der Kalkstein entlang von Klüften durch das versickernde Regenwasser aufgelöst wird. Das Wasser nimmt im Erdboden Kohlendioxid auf, das von den Pflanzenwurzeln freigesetzt wird. Es bildet sich Kohlensäure, die mit dem Kalkstein aus Calcium-Karbonat reagiert. Das entstehende Calcium-Hydrogenkarbonat ist leicht wasserlöslich und wird daher hinweg gespült.

In tropischen oder subtropischen Regionen mit starken Niederschlägen und intensivem Pflanzenwuchs findet die Kalklösung nicht erst beim Versickern des Wassers im Untergrund statt, sondern bereits an der Erdoberfläche. Ausgehend von Klüften löst sich der Kalkstein flächenhaft, sodass schließlich nur noch einzelne kegel- oder turmförmige Kuppen oder sogar Berge erhalten bleiben. Aus heutiger Zeit sind solche Kegelkarstlandschaften z.B. aus Südostasien oder Südchina bekannt.

Im Tertiär (vor 65-2,6 Mio. Jahren) haben in unserer Region ähnliche Verhältnisse geherrscht. Ein schönes Beispiel für eine tertiärzeitliche Kegelkarstlandschaft ist das Felsenmeer bei Hemer, das als eines der Nationalen Geotope im GeoPark Ruhrgebiet ausgezeichnet wurde. Auch am Schwelmer Tunnel haben sich auf der Felsrippe zwischen den beiden Eisenbahneinschnitten einige Felsen erhalten, die wohl als Ansätze von Karstkegeln zu deuten sind. Sie weisen darauf hin, dass die Verkarstung bei warm-feuchten Klimabedingungen im Tertiär erfolgte.

Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes) (Tafel 4)

Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes) (Tafel 4)

Steile Felswände wie diese können nur von Pflanzen besiedelt werden, die mit wenig Feinerde und einem geringen Wasservorrat auskommen. Dazu gehört der Braunstielige Streifenfarn, der bevorzugt an schattigen und halbschattigen Mauern und Felsen wächst und hier ideale Bedingungen vorfindet. Mit seinem weit verzweigten Wurzelwerk findet er festen Halt in Gesteinsritzen. Der Farn ist eine Charakterart der sogenannten Felsspalten- und Mauerfugengesellschaften. Häufig wird die Art auch als Zierpflanze in Steingärten eingesetzt.

 

Die einfach gefiederten Blätter sitzen auf dem charakteristischen braunen Stiel. Der Farn hält das Laub bis in den Winter hinein und wirft erst im Frühjahr, bevor er neu austreibt, seine Blätter ab. In Deutschland ist der Braunstielige Streifenfarn weit verbreitet. Er kommt in den kühlen bis warmen Gebieten Nordamerikas und Europas sowie im Himalaya, Südafrika, Südost-Australien, Neuseeland und Neu Guinea vor.

Es gibt rund 11.000 Arten an „Echten Farnen“. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen. Dort findet man sowohl wenige Millimeter große Farngewächse, als auch bis zu 20 Meter hohe Baumfarne. Die ältesten bekannten Farnfossilen stammen aus der frühen Karbonzeit. Im Oberkarbon bildeten riesige Farne zusammen mit Schachtelhalmen und Bärlappgewächsen tropische Wälder. Farne vermehren sich nicht wie Samenpflanzen über geschlechtliche Samen, sondern über ungeschlechtliche Sporen.

Doline und Fossilien (Tafel 5)

Doline und Fossilien (Tafel 5)

Die große Einbuchtung in dieser Felswand ist Teil einer Doline, die beim Bahnbau angeschnitten wurde. Im Riffkalkstein aus der Devonzeit sind unterschiedliche Fossilien erkennbar. Dolinen sind Schacht- oder taschenförmige Hohlformen, die entweder durch die Auflösung des Kalksteins von der Erdoberfläche her oder durch den Einsturz unterirdischer Hohlräume entstanden sind. Darin finden sich häufig tonige Sedimentablagerungen, die gut geschichtet sind, wenn sie von langsam fließendem Wasser eingetragen wurden. Auch hier sind solche bräunlich gefärbten Ablagerungen erkennbar. Bei Einsturzdolinen besteht die Füllung hingegen aus einem chaotischen Gemenge von eingetragenem Höhlenlehm und Felsbrocken, die dem zusammengestürzten Höhlendach entstammen. Mitunter enthält der Höhlenlehm Pflanzenreste, Blütenpollen oder Sporen, die eine Aussage zum Alter der Dolinenfüllung erlauben. Sie stammt meist aus den Zeitaltern des Quartär und Tertiär und enthält oft Gesteine, die an der Erdoberfläche längst abgetragen wurden.

Vorne ist eine fossile Stromatoporenkolonie zu sehen. Die festsitzenden und koloniebildenden Meerestiere dominierten in ihrer Blütezeit, vor 380 Mio. Jahren, die tropischen Riffe. Sie lebten vom Ordovizium (488 Mio. Jahre) bis zum Ende der Kreidezeit (65 Mio. Jahre). Stromatoporen werden den Schwämmen zugeordnet und filterten vermutlich wie Korallen ihre Nahrung aus dem Meerwasser. Die auf der Oberfläche erkennbaren Linien zeigen, ähnlich wie Jahresringe von Bäumen, die Wachstumsperioden der Kolonie. Die größten sind etwa 2 m groß. Auch Amphiporen sind erkennbar, eine Stromatoporengattung, die dünne Ästchen bildet und in ihrer Struktur an „Nudelsalat“ erinnert. Stellenweise findet man auch Korallen.

Feuersalamander (Salamandra salamandra) (Tafel 6)

Feuersalamander (Salamandra salamandra) (Tafel 6)

In diesem Bachlauf leben die Larven des Feuersalamanders. Die Lurche benötigen kühle, naturbelassene Gewässer wie dieses. Sie sind in den feuchten Laubmischwäldern der Mittelgebirge beheimatet und auf dem mittel- und südeuropäischen Festland weit verbreitet. Die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft durch Nord- und Ostdeutschland. Die erwachsenen Tiere sind vor allem in der Nacht und bei Regenwetter aktiv. Tagsüber ziehen sie sich in Felsspalten oder unter Baumwurzeln zurück und können sich dazu auch selbst kleine Hohlräume graben. Zwischen Februar und Mai setzt der Feuersalamander seine Larven in Bächen oder Kleingewässern ab. Sie sind abgesehen davon, dass sie Kiemen tragen, bereits voll entwickelt. Dadurch unterscheidet sich die Art von anderern Luchen, die meist Eier (Laich) ablegen.

Feuersalamander erreichen eine Größe von 14-20 cm. In der freien Wildbahn werden sie über 20 Jahre alt. Ihre Ernährung umfasst wirbellose Tiere wie Schnecken und Käfer,  aber auch kleinere Amphibien wie Molche und Frösche. Erwachsene Feuersalamander haben keine natürlichen Feinde. Als Schutz verfügen sie neben der schwarz-gelben Warntracht über ein giftiges Hautsekret, welches sie bis zu einem Meter weit schleudern können. Der Tatsache, dass man im Mittelalter annahm, dieses Sekret könne Brände löschen, verdankt der Feuersalamander seinen Namen. Die Art ist durch Gewässerausbau und -verschmutzung sowie durch einen tödlichen Hautpilz, den „Salamanderfresser“, bedroht und steht unter Naturschutz.