Schlebuscher Erbstollen

GeoRoute Ruhr

Der Schlebuscher Erbstollen war mit 13 km der längste Wasserlösungsstollen im Ruhrgebiet und reichte von Wetter-Oberwengern bis zur Stadtgrenze von Wuppertal bei Sprockhövel-Herzkamp. Er wurde Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und 1967 stillgelegt. Der Bereich des Mundlochs in Wetter mit Gezähekammer und Fahrschacht wurde 1986 unter Denkmalschutz gestellt. Aus dem Mundloch strömt Wasser in den Stollenbach, der in die Ruhr mündet.

Weitere Informationen

Der Stollen ist die Station 77 der

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Er ist die Station 13/14 des Erbstollenwegs

Bergbaurundwege Wetter

In der Nähe

Sehenswürdigkeiten der Stadt Wetter

Standort

Adresse: Limbecker Weg 17, Wetter
UTM-Koordinaten (Zone 32): RW: 386403 HW: 5694238
ÖPNV: Bushaltestelle Voßhöfener Straße  (300 m)

Links und Literatur

Weitere Infoseiten zum Schlebuscher Erbstollen:

Arbeitskreis Bergbauaktiv e.V.

www.ruhrkohlenrevier.de

Zu diesem Geotop

Auf dem Erbstollenweg

Auf dem Erbstollenweg

Fährt man von Witten-Bommern aus über Wengern in Richtung Volmarstein, so zweigt kurz hinter Oberwengern nach rechts eine kleine Straße in Richtung Vosshöfen ab. Unmittelbar danach überquert die Hauptstraße den Stollenbach. Direkt hinter der Bachbrücke kann man dann rechts an der Straße leicht eine weiße Tafel übersehen, die auf den Schlebuscher Bergbaulehrpfad hinweist. Hier beginnt ein ausgedehntes Wandergebiet, das sich in mehreren Wegvarianten durch das sogenannte Oberwengerner Revier bis Albringhausen hinzieht und nicht nur etliche Zeugen „des Alten Mannes“ erschließt, sondern vor allem durch eine idyllische Landschaft führt, die sehr schnell alle Klischees über den „Kohlenpott“ vergessen lässt.

Als „Alter Mann“ bezeichnet der Bergmann die Hinterlassenschaften seiner Vorgänger, seien es alte Stollen, verlassene Abbaufelder oder Pingen, in denen die Kohle von der Erdoberfläche her gegraben wurde. Der schmale Wanderweg führt links vom Bach talaufwärts. Nach wenigen Zehner Metern beobachtet man rechts am Bachufer einen kräftigen Wasseraustritt, der sich unter einer Steinabdeckung heraus in den Stollenbach ergießt. Dies ist die „Rösche“ des „Schlebuscher“ oder „Dreckbänker Erbstollens“, dessen Mundloch wir neben einem Reiterhof nach rund 100 Metern erreichen. Die Stollenrösche ist der Abzugsgraben, der das Wasser vom eigentlichen Stollenmundloch in den Bach ableitet. Damit dieser Graben nicht durch Unrat, Laub und Äste oder im Winter durch Schnee und Eis verstopft, wurde er meist mit Steinplatten überdeckt.

Stollenmundloch

Stollenmundloch

Wenig später, neben dem Reitplatz und benachbart zu einem alten Fachwerkhof, erreichen wir dann das eigentliche Stollenmundloch. Das Mundlochbauwerk des Schlebuscher Erbstollens zeigt eine eigenartige Architektur: Zum Stollen hinab, der hier schon einige Meter unter dem Hang verläuft, führt nur eine enge, mit einer Tür verschlossene Treppe. Der Firstsstein über dem Niedergang ziert der Namenszug des Stollens. Daneben findet sich aber noch ein keiner Seitenraum, der vielleicht als Gerätekammer für den Stollenwärter gedient hat.

In dessen Zugang ist augenscheinlich die Kaminummauerung eines herrschaftlichen Gebäudes mit verarbeitet worden, die der gesamten Anlage wohl ein besonders repräsentatives Aussehen verleihen sollte. Möglicherweise könnten das dort eingemeißelte Wappen und die Initialen „L.HA.ST“ Auskunft über die Herkunft des Bauteils geben. Tatsächlich hat dieser Stollenmund eine besondere Herausstellung verdient; ist er doch der Beginn des mit 13 km längsten Erbstollens des Ruhrreviers.

Aufgabe eines Wasserlösungsstollen

Aufgabe eines Wasserlösungsstollen

Was hat es nun mit diesen Erbstollen auf sich, die uns an vielen Stellen des Ruhrtals begegnen? Als die Bergwerke im 17. und 18. Jahrhundert immer tiefer wurden, wuchs das Problem der Wasserhaltung an. Es wurde immer schwieriger, das Grundwasser aus den Schächten und Stollen zu heben. Damals konnte man nur mit sehr einfacher Pumpentechnik das Wasser aus den tiefliegenden Hohlräumen an die Oberfläche befördern. Waren die Wasserzuflüsse zu stark, drohte das Bergwerk zu ersaufen und musste aufgegeben werden.

Die einzige Lösung dieses Problems lag darin, von möglichst tief gelegenen Punkten der Erdoberfläche aus – also zum Beispiel aus dem Ruhrtal heraus – Stollen aufzufahren, die die benachbarten Bergwerke unterfuhren, so dass diese ihr Grubenwasser in den Stollen ableiten konnten, von wo es dann zu Tage abfließen konnte. Nun war solch ein Stollenbau eine kostspielige Angelegenheit, zumal die Stollenführung über weite Strecken durch taubes Gestein gehen musste und nicht etwa durch gewinnbringende Kohle. Zur Anlage solcher Stollen wurde ein eigenes Recht geschaffen, das festlegte, dass die Eigentümer aller Bergwerke, die von der Wasserlösung durch den Stollen profitierten, der stollenbauenden Gesellschaft, oder wie es im Bergbau heißt, der Gewerkschaft, eine Abgabe zu entrichten hatten. Darüber hinaus erhielt die Erbstollen-Gewerkschaft meist auch das Recht, die Kohlen zu gewinnen, die sie beim Stollenbau antreffen würde.

Im Gegensatz zu den rechtlichen Verhältnissen zum Beispiel im Harzer Erzbergbau, wo ein höher gelegener Wasserlösungsstollen durch die Anlage eines tieferen „enterbt“ wurde und seiner Rechte verlustig ging, blieben im Ruhrbergbau die „Erbstollengerechtigkeiten“ als Rechtstitel bestehen. Sie wurde für den Schlebuscher (bzw. Dreckbänker) Erbstollen vom Bergamt erst 1959 aufgehoben, da der damalige Eigentümer den Stollen nicht mehr unterhalten hat.

Bau und Geschichte (1)

Bau und Geschichte (1)

Der Vortrieb des Schlebuscher Erbstollens wurde als „Trapper Erbstollen“ um 1760 begonnen. Die Abmessungen des Stollens betrugen etwa 1 m Breite und gut 2 m Höhe. In regelmäßigen Abständen wurde der Stollen über sogenannte „Lichtlöcher“ mit der Erdoberfläche verbunden. Dies war nötig, um die Frischluftzufuhr in den Stollen sicherzustellen, in dem nicht nur die Bergleute, sondern auch ihre offenen Grubenlampen Sauerstoff benötigten. Außerdem ließ sich über die Lichtlöcher das herausgebrochene Gestein leichter zu Tage fördern. Einige der Lichtlöcher des Schlebuscher Stollens sind noch erhalten und zum Teil kunstvoll ausgemauert. Um 1788 hatte der Stollen die Grube „Trappe“ bei Silschede erreicht, von deren Gewerken die Initiative zum Stollenbau ausgegangen war. Bis 1834 war der Stollen mit einigen Querschlägen, die benachbarte Gruben im Raum Sprockhövel anschlossen, auf rund 5,5 km Länge angewachsen. Obwohl ihr schon 1819 von der Bergbehörde das Recht verliehen worden war, den Stollen bis in den Raum Herzkamp fortzuführen, gab die Schlebuscher Gewerkschaft aber um 1835 den weiteren Stollenvortrieb auf.

Wahrscheinlich überstiegen die erforderlichen Investitionen die finanziellen Möglichkeiten der Gesellschaft. 1841 verlieh das Bergamt daraufhin das Erbstollenrecht an eine von den Eigentümern der Zeche „Dreckbank“ neugebildete Gewerkschaft, die nun den weiteren Vortrieb in westliche Richtung vornahm. In diesem Abschnitt trug der Stollen nun den Namen „Dreckbänker Erbstollen“. (Das Flöz Dreckbank war ein wichtiges Flöz der Sprockhöveler Schichten. Da sein Name aber manche Händler vom Kauf der daraus gewonnen Kohlen abhielt, wurde es später in Flöz Wasserbank umbenannt.) Die Kalkulation, die dem Bau des „Dreckbänker Erbstollens“ zu Grunde lag, ist noch erhalten. Danach rechnete man mit Baukosten von gut 66 000 Reichstalern, die auf eine geplante Bauzeit von 11 Jahren umgelegt wurden. Erstaunlich ist, dass man zu dieser Zeit noch die kostenintensive Fortführung des Wasserlösungsstollens in Angriff nahm, standen doch bereits seit 1799 dem Ruhrbergbau die ersten, mit Dampf  betriebenen Pumpen zur Verfügung. Beim weiteren Stollenvortrieb folgte man, wegen des leichteren Vortriebs und der gleichzeitigen Gewinnung von verkaufsfähiger Kohle, weitgehend dem Flöz Neuflöz im Streichen der Herzkämper Mulde.

Bau und Geschichte (2)

Bau und Geschichte (2)

Im Jahr 1860 hatte der Stollen bereits 10 km Länge erreicht und 1902 schließlich eine Gesamtlänge von rund 15 km, davon verlaufen etwa 12 km in Kohle und 3 km im Nebengestein. Insgesamt wurden durch den Stollen die Grubenbaue von 13 Zechen „gelöst“, das Wassereinzugsgebiet beträgt rund 36 km², die größte Tiefe des Stollens unter der Erdoberfläche liegt bei 175 m. Die westlichste Grube, die der Stollen erreichte, war die Kohlen- und Eisensteingrube Herzkamp, die sich bis unmittelbar an die Stadtgrenze zwischen Haßlinghausen-Gennebreck und Wuppertal-Dönberg erstreckte. Das Zechengebäude dieser Grube ist in Gennebreck-Herzkamp noch vorhanden. Nachdem in den zwanziger Jahren der Bergbau im Raum Haßlinghausen eingestellt worden war, verlor der Stollen seine Bedeutung.

Lediglich die Zeche Neuwülfingsburg, die bis 1967 in Albringhausen tätig war, führte zuletzt noch ihre Grubenwässer in den Stollen ab. Seitdem ist der Schlebuscher Erbstollen ein zwar nutzlos gewordenes, aber dennoch sehr bemerkenswertes technisches Denkmal. Zumindest der im Gestein aufgefahrene erste Stollenabschnitt bis zur Zeche Trappe ist bis heute gut erhalten und gibt bei einer Befahrung interessante Einblicke sowohl in die Bergbautechnik früherer Zeiten wie in die Geologie dieses Teils der Herzkämper Mulde. Bemerkenswert sind rote, über Halbmeter große Tropfsteine aus Eisenoxiden, die sich an einigen Stellen finden. Sie verdanken ihre Entstehung der Verwitterung von eisenhaltigen Mineralien im Gestein. Dies kann sowohl Eisensulfid sein, der goldglänzende Pyrirt, der vor allem in den dunklen Tonsteinen auftritt, ebenso wie Eisenkarbonat, Siderit, das eine Bildung der karbonzeitlichen Moorseen ist.

Text: V. Bartolović, G. Drodzewski, V. Wrede

Logo und Leute vor Felswand mit Logo

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