GeoRoute Lippe

Geostopp 88-92 (Hauptroute)

Schermbeck

88 Tongruben Nelskamp

88 Tongruben Nelskamp

Nordwestlich von Schermbeck bauen die Dachziegelwerke Nelskamp bis heute Ton ab. In großen rund 10 m tiefen Gruben nördlich der Overbecker Straße wird der unmittelbar unter der Oberfläche anstehende graue Rohstoff durch mit Tieflöffel ausgestattete Raupenbagger gefördert. Um die Standfestigkeit des Baggers zu gewährleisten, wird nach dem Abheben des Mutterbodens eine Schicht gebrannter Tonscherben aufgebracht. Direkt östlich des aktiven Abbaus sind ältere Gruben bereits wieder mit Wasser vollgelaufen und die Ufer bewaldet. Das Betriebsgelände darf nur nach vorheriger Absprache mit der Werksleitung betreten werden. Wie auch westlich von Gahlen[1] lagerten sich in der Region rund um Schermbeck rund 30 Millionen Jahre alte Tone der Lintforter und der Ratinger Schichten des unteren Oligozäns (Rupelium) ab. Diese tonige Abfolge wird auch als Rupelton bezeichnet. Im frischen Zustande ist es ein dunkelgrauer bis schwarzer, fetter Ton, der zonenweise Kalkgehalt und einen nach oben hin leicht zunehmenden Schluffanteil aufweist. Gelegentlich können schichtweise große, flachrunde Kalkkonkretionen, die Septarien, darin auftreten, weshalb das Material früher auch Septarienton genannt wurde. Das Schermbecker Vorkommen liegt am Ostrand der heutigen Verbreitungsgrenze, die allerdings eine erosive Grenze ist. Ursprünglich reichte die Ablagerung weiter nach Osten. Das Meer in dem die Tone sedimentiert wurden, lag im Westen.

[1]siehe „Tongruben Gahlen“ (139-142)

NRZ-Artikel vom 31.09.2014

89 Naturschutzgebiet Lichtenhagen

89 Naturschutzgebiet Lichtenhagen

Die Fläche des knapp 110 ha großen Naturschutzgebietes Lichtenhagen war bis in die 1970er Jahre ein Abgrabungsgebiet der Schermbecker Dachziegelindustrie. Nach dem Abbau lagen die bis zu acht Meter tiefen Tongruben zunächst brach, liefen mit Wasser voll und es entwickelte sich ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, insbesondere Amphibien und Reptilien. Aus diesem Grund wurde das Areal als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Neben den Seen haben sich im ehemaligen Abbaugebiet Auen- und Bruchwaldinseln, Eichenwälder sowie Feuchtwiesen und Heidemoore entwickelt. Das Gelände kann auf schmalen Wege erkundet werden.

90 Ziegelwerk Nelskamp

90 Ziegelwerk Nelskamp

Nach Schließung der „Gewerkschaft Idunahall, Ton- und Falzziegelwerke“ 2005, ist das Dachziegelwerke Nelskamp (ursprünglich „Schermbecker Thon- und Falzziegelwerke AG“) der letzte Betrieb dieses Wirtschaftszweigs in Schermbeck. Heinrich Nelskamp war 1870 nach Schermbeck gekommen, um für die bereits bestehende Ziegelei zu arbeiten. Seine fünf Enkel eröffneten 1926 ein eigenes Ziegelwerk und übernahmen 1970 das heutige Werk am Waldweg, wo ihr Großvater und ihr Vater sich einst zu Ziegelmeistern hochgearbeitet hatten. Heute liegt hier neben einer Produktionsstätte die Hauptverwaltung. Heute sind die Dachziegelwerke Nelskamp einer der bundesweit bedeutenden Hersteller von Dachziegeln, Betondachsteinen (seit 1954), Energiedächern und Dachzubehör.

Der rotbrennende Rohstoff Ton rund um Schermbeck wurde zunächst vorwiegend von Töpfern für die Herstellung von Krügen, Schalen, Töpfe und Teller (Irdenware) genutzt. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert waren diese „Pottbäcker“ in der Region aktiv. Mit der Industrialisierung des Ruhrgebiets ergab sich ab den 1860er Jahren ein großer neuer Absatzmarkt für die Irdenware, so das bis 80 Meister und Gesellen dieses Handwerk hier erträglich ausüben konnten. Die Blütezeit endete um 1900, als industriell gefertigte Waren, unter anderem aus Blech, den Markt eroberten. Das Zieglerhandwerk, ebenfalls spätestens seit dem 17. Jahrhundert in der Region präsent, bot eine willkommene Alternative. Schermbeck entwickelte sich zum Zentrum der Dachziegelherstellung.

Nelskamp

Führungen

91/92 Töpfer- und Zieglerdenkmal

91/92 Töpfer- und Zieglerdenkmal

Denkmale der Schermbecker Tonverarbeitungsindustrie sind zwei lebensechte Bronzeplastiken, die im Abstand von 130 m an der Mittelstraße in Schermbeck stehen. „Der Töpfer“ und „Der Ziegler“ erinnern seit Mitte der 1990er Jahre an diese beiden für die Region wichtigen Gewerke. Geschaffen hat sie der verstorbene Bildhauer Ferdinand Löchteken.

Texte: Abels, A. (2017): GeoRoute Lippe: Von Eisensteinen, Dünenfeldern und Mäandern der Lippe – durch den Norden des GeoPark Ruhrgebiet, Regionalverband Ruhr und GeoPark Ruhrgebiet e.V. (Hrsg.), Essen.