Holthausener Sattel

GeoRoute Ruhr

Die Größe der steinernen Gebirgsfalten im Ruhrgebiet reicht von wenigen Metern bis zu etlichen Kilometern. Die an der Erdoberfläche sichtbaren Ausschnitte der Falten sind meist sehr klein. Eine Ausnahme macht der „Holthausener Sattel“ im Sprockhöveler Bachtal südlich von Hattingen: Hier lässt sich an Hand mehrerer benachbarter Geländepunkte eine nach oben gewölbte Falte (Sattel) über immerhin rund anderthalb Kilometer Breite verfolgen.

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Das Geotop beinhaltet die Geostopps 126-128 der

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Hier beginnt der Bergbauwanderweg

Auf alten Kohlenwegen durch Bredenscheid-Stüter

Earthcaches

Der Kern des Holthausener Sattels

In der Nähe

Historische Altstadt von Hattingen

LWL-Industriemuseum Henrichshütte

 

Karte

Ausgangspunkt: Klippenreihe Sünsbruch GRR 126

Adresse: Sünsbruch 10, Hattingen
UTM-Koordinaten (Zone 32): RW: 374324 HW: 5694357
ÖPNV: Bushaltestelle Sünsbruch (200m)

Ausgangspunkte

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Klippenreihe Sünsbruch

Klippenreihe Sünsbruch

Verlässt man Hattingen auf der Bundesstraße 51 nach Süden in Richtung Sprockhövel, so fällt am Ortsende linkerhand ein langgezogener, bewaldeter Bergrücken auf. Wir erreichen ihn, wenn wir in einer scharfen Linkskurve der Straße, gegenüber einer ehemaligen Bahnunterführung, nach links in die Straße „Sünsbruch“ abbiegen. Direkt nach der Brücke über den Sprockhöveler Bach können wir am Bergfuß parken. Wir müssen nur wenige Schritte nach rechts um die Bergspitze herum gehen, um zu erkennen, dass der auffällige, langgstreckte Bergrücken von einem harten Sandstein gebildet wird. In einer langgezogenen Kippenreihe ragt hier der Wasserbank-Sandstein aus dem Hang heraus.

Es lohnt sich, der Klippenreihe durch den Wald zu folgen. Hier sind vielfältige Strukturen im Gestein wie zum Beispiel Schrägschichtung zu sehen (vergl. Aufschluss 8). Sie zeigen an, dass der Wasserbank-Sandstein in fließendem Wasser, wohl in einem Flusssystem oder einem Delta abgelagert wurde. Ein Teil der Sandsteine ist sehr feingeschichtet, das heißt es kamen rasch nacheinander grob- und feinkörnige Schichten zur Ablagerung. Andere Sandsteine sind massiv und dickbankig. Hier wurde schnell ein gleichkörniges Material geschüttet. Die Schichten fallen deutlich in den Hang hinein, das heißt, sie sind nach Norden zu geneigt. Wenn wir am Ende des Klippenzuges querfeldein den Bergrücken erklimmen, stoßen wir auf den Wanderweg X17, dem wir zum Auto zurück folgen. Blicken wir über das Tal des Sprockhöveler Bachs hinweg, erkennen wir die Fortsetzung des Sandsteinzuges auf der gegenüberliegenden Talseite.

Kern des Holthausener Sattels

Kern des Holthausener Sattels

Folgen wir der Bundesstraße nun etwa 600 m weiter nach Süden, so zweigt dort die Straße „Lüggersegge“ nach links ab. Auch hier erhebt sich gleich jenseits des Baches ein Höhenrücken. Wenn wir am Fabrikgebäude parken, führen uns wenige Schritte zu einem kleinen Steinbruch, in dem nun geradezu modellmäßig der Kern des Holthausener Sattels aufgeschlossen ist. Blickt man aus einigen Metern Entfernung auf die Felswand im Steinbruch, so sind die Schichten links genau in die entgegengesetzte Richtung wie die Schichten rechts geneigt. Direkt im Sattelkern setzt ein Stollenmundloch an, vermutlich ein erfolglos gebliebener Bergbauversuch oder ein alter Luftschutzstollen. Auch hier treten dickbankige, zum Teil schräggeschichtete Sandsteine auf.

Es handelt sich hierbei um die Sandsteine der Kaisberg-Schichten, die wir auch an anderen Geländepunkten unseres Gebietes immer wieder beobachten können. Bei genauem Hinsehen lässt sich erkennen, dass der Kaisberg-Sandstein hier einzelne Lagen führt, in denen Geröllchen bis Kieselsteingröße angereichert sind. Der Kaisberg-Sandstein wird daher auch als „Konglomerat“ bezeichnet. Über den Sandsteinbänken folgen Tonsteine, die spärlich fossile Pflanzenreste führen: Es sind Reste von Schachtelhalmen (Calamites) und Farnen (z.B. Neuropteris, Sphenopteris und andere), die rechts vom Sattelkern hinter der Betonmauer zu  finden sind. Über diesen Tonsteinen folgt eine weitere Sandsteinlage.

Steinbruch Bredenscheid

Steinbruch Bredenscheid

Fahren wir nun noch weiter nach Süden und biegen nach ca. 500 m in Bredenscheid rechts in die „Elfringhauser Straße“ ein, so erreichen wir gleich hinter der Kreuzung mit der ehemaligen Bahntrasse rechterhand ein etwas verwahrlostes Steinbruchgelände. Auf der rechten Seite sehen wir den uns bereits bekannten Wasserbank-Sandstein. Erwartungsgemäß sind die Schichten hier nun nach Süden geneigt, das heißt wir befinden uns jetzt auf der Südflanke des Holthausener Sattels (die beiden Seiten einer Falte werden als Flanken bezeichnet). Unter den Bäumen am Hang erkennen wir zwei dünne Kohleflözen, die zur Flözgruppe „Wasserbank“ gehören. Besuchen wir schließlich noch den etwas höher gelegenen linken Teil des Steinbruchs, so blicken wir hier auf eine große freigelegte Schichtfläche. Auffällig ist die unebene und unregelmäßige Struktur dieser Schicht. Wenn wir genauer hinsehen, können wir zahlreiche kohlige Wurzelreste erkennen, die diese Schicht durchziehen. Es handelt sich um den Wurzelboden des Flözes Wasserbank 1. Die Baumwurzeln des Waldmoores, das dieses Flöz ehemals bildete, sind bis in die unterlagernde Schicht eingedrungen. In der links gelegenen Böschung sehen wir wechselnde Schichten von Ton- und Sandsteinen, in denen zwei weitere dünne Flöze (Wasserbank 2 und 3) vorkommen, die ebenfalls von Wurzelböden unterlagert werden.

Der Holthauser Sattel, den wir nun durchquert haben, gehört immer noch nicht zu den Großfalten, die im Ruhrgebiet vorkommen. Auch er ist wiederum nur eine Spezialstruktur innerhalb der noch viel weiter gespannten Wittener Hauptmulde. Es lassen sich so im Ruhrgebiet Falten ganz unterschiedlicher Dimension erkennen: Die Hauptfalten wie Wittener, Bochumer oder Essener Mulde erreichen Spannweiten bis zu 10 Kilometern oder mehr, größere Spezialfalten wie hier der Holthauser Sattel, erreichen noch Größen im Bereich von rund einem Kilometer. Zahlreiche weitere Spezialfalten, wie wir sie z.B. am Ruhrufer bei Niederwenigern beobachten können (vergl. Aufschluss 16) sind dagegen nur auf wenige Zehner bis Hundert Meter begrenzt. Auffällig ist, dass gerade die größten Falten (zu denen z.B. auch der Stockumer Sattel gehört, den wir im Bereich des Ruhrtals mehrfach beobachten können vergl. Aufschlüsse 12, 16) auch am weitesten zu verfolgen sind, teilweise von Südwesten nach Nordosten durch das gesamte Ruhrkarbon.

Text: V. Bartolović, G. Drodzewski, V. Wrede

Logo und Leute vor Felswand mit Logo

GeoRoute Ruhr

Streckenwanderung entlang des Ruhrtals über insgesamt 180 Kilometer Länge mit 148 geologischen und touristischen Geostopps. Die Route wird vom GeoPark Ruhrgebiet betreut.

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Auf dem Isenberg steht die Burgruine der Isenburg und ein kleines Museum. Des Weiteren findet man eine Freilichtbühne, Aufschlüsse im Kaisberg-Sandstein und einen Klettergarten.

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Profil Niederwenigern

Entlang der Ruhruferstraße findet sich die mit 2 Kilometern längste aufgeschlossenen Schichtenfolge im Ruhrgebiet (Kaisberg Formation – Bochum-Formation).

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